Spagat

Hand aufs Herz, liebe Besucherin, werter Besucher: Können Sie den Spagat? Wer nicht gerade im Kunstturnkader ist, wird diese Frage höchstwahrscheinlich mit Nein beantworten; so auch wir von der Musig. Und ein klein wenig beruhigend für unser Musikantengewissen ist auch, dass anlässlich einer Nachfrage am Turnerabend vom SATUS-Oberturner höchstpersönlich bestätigt wurde, dass in den Damen- und Herrenriegen auch niemand dieses Kunststück beherrscht. Was sie allerdings nicht davon abhalten sollte, uns selbigen beizubringen, aber mehr dazu am Unterhaltungsabend...

Wenn man den Begriff Spagat jedoch im übertragenen Sinne betrachtet, so sind wir uns sicher, dass die Sache bei Ihnen ein wenig anders aussieht, Sie den Spagat durchaus beherrschen, ja sogar ständig einen solchen hinlegen: Beispielsweise, um bei stets knappen Ressourcen alle Haupt- und Nebensachen der Welt unter einen Hut zu bringen: Familie, Beruf, Ausbildung, Hobbies; man sollte an vier Orten gleichzeitig sein, dabei stets die Ruhe bewahren und auch die Gesundheit nicht zu kurz kommen lassen; und auch das Geld muss irgendwie für Alltag, die Flucht daraus, Geschenke und noch die eine oder andere Belohnung zur Aufhellung des Gemüts reichen. Sie kennen das? Ja, auch uns geht es nicht anders.

Und weil bei uns das Motto des Unterhaltungsabends auch immer etwas über uns selbst aussagt, hielten wir dieses Jahr Spagat für sehr passend. Nicht, dass wir alle pausenlos im Stress am Balancieren wären, nein (dies beschränkt sich auf die Zeit kurz vor den Anlässen). Vielmehr macht ein Musikverein von Natur aus, viel eher als eine Interessensgemeinschaft, die sich dem Sport oder einem anderen Hobby verschrieben hat, einen sinnbildlichen Spagat über die Generationen: Von der Schülerin bis zum Pensionär sitzen alle im selben Boot, während und auch nach der Probe. Dies führt sogleich zum musikalischen Spagat, den der Dirigent bei der Stückauswahl vollführen muss. Während beispielsweise beim Fussball klar ist, dass das Spiel 90 Minuten dauert und das Runde ins Eckige des Gegners gehört, lassen die einen in unserem Spiel lieber lange Balladen erklingen, während andere auf kurze, schnelle und intensive Stücke stehen. Selbiges beim Publikum: Der Erwartung nach kann sich die ältere Generation eher für Märsche und Polkas erwärmen, während die Jüngeren auf Hitparaden-Titel abfahren; vielleicht ist es aber auch genau umgekehrt. Diese verschiedenen Wünsche wahrzunehmen und so gut wie möglich zu einem wohlklingenden, abgerundeten Ganzen zu verschmelzen, gleicht wahrlich einem Spagat. Wir nehmen die Herausforderung an, Konzert für Konzert, Probe für Probe. Wir schaffen den Spagat - werden Sie unser Zeuge am 25. März!?

Die nicht so frohe Kunde erreichte uns irgendwann im Laufe der vergangenen Monate: Am Donnerstag, seit vielen Jahren unser Probetag und somit auch jener der Hauptprobe; am Donnerstag, 17. März 2016 also, stehe uns die Mehrzweckhalle nicht zur Verfügung. Das ist ja wohl der Gipfel! Wofür gibt es eigentlich eine Präsidentenkonferenz, wenn sich am Ende eh niemand daran hält?! Doch leider war der zuständige Hauswart an jenem Termin krankheitshalber abwesend, und nach seiner Rückkehr ins Amt hat es mit der Information, na ja, wohl nicht so geklappt. Oder es war schlicht alles bereits organisiert. Wie auch immer, an der Tatsache war nicht mehr zu rütteln. Doch es kam noch besser, durch einen Anruf der Chefin: Der Anlass, welche die MZH "blockiert", stellte sich als Generalversammlung des Verbandes Aargauer Einwohnerkontrollen heraus. Ob man da nicht Zeit und Lust habe, aufzuspielen? Moment... Zeit und Lust? Zwei Tage vor unserer Abendunterhaltung, wenn wir eigentlich die Hauptprobe abhalten sollten? Hmm...?

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Irgendwie eine ziemliche Ironie der Geschichte, dass ich diesen Eintrag ausgerechnet am Pi-Tag* - dem nach heutigem Stand der Medizin einzigen meines Lebens – verfasse. Ich, der mit der Mathematik stets auf Kriegsfuss stand, egal ob Integrieren, Differenzieren, Logarithmieren, Algebra, Geometrie oder auch schon schlichtes Kopfrechnen. Schliesslich hat sich jemand die Mühe gemacht, den Taschenrechner zu erfinden, genau damit man sich nicht das ganze Hirn mit Zahlenreihen zumüllen muss. Nebenbei bemerkt: Eine Maschine, welche Texten wie diesen hier auf Knopfdruck erstellt, gibt es glücklicherweise noch nicht – 1:0 für die sprachlich Begabten!

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